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Eine Wanderung durch die Eiszeitlandschaft

img Die Wanderung (mit dem Rad) führt vom Geologischen Garten an den Söllender Grundmoräne zum Parsteiner See einem Zungenbeckensee. Am Südufer des Parsteiner Sees entlang lernen wir dann einen Drumlin kennen. Wir durchstreifen dann die urigen Wälder der Endmoräne der Parsteiner Staffel des Gletscherrandes. Dabei finden wir ein Durchbruchtal, welches der Stausee des Parsteiner Lobus (Gletscherzunge) bei der Gletscherschmelze durch die Endmoräne gerissen hat. Das verbliebene Drittel des ehemals größten Findlings von Brandenburg wird begutachtet und mehrere Oser umrundet, ehe wir uns von Neudorf zu der Kiesgrube Lunow-Hohensaaten begeben. Hier handelt sich es um einen Sander in dem man in den Sedimentgesteinen vortrefflich Fossilien aus dem Erdaltertum finden kann. Über die riesigen Sand und Kieskegel welche das Wasser hinter den Gletschertoren abgelagert hat, floß es durch die Urstromtäler in die Nordsee.

Genaue Beschreibung der Wanderung:

Für diesem Rundweg von etwa 30 km sollte man einen ganzen Tag einplanen, denn zum Verweilen wird häufig Anlaß sein. Am günstigsten ist diese Strecke mit dem Rad zu bewältigen. Fahrräder können in Stolzenhagen oder Parstein ausgeliehen werden (Fahrradverleih Bodo Butzke) .Wir starten in Stolzenhagen vom Geologischen Garten oder von der Herberge in Lüdersdorf ( Pension Müller & Neumann) und fahren auf der Grundmoräne Richtung Parstein. Im Geologischen Garten haben wir uns kundig gemacht und wissen bereits was eine "Glaziale Serie" ist. Rechts und links der Straße sehen wir einige Sölle. In vollkommener Ausbildung, fast kreisrund mit weidenbestandenen Ufern, können wir sie hinter Parstein bewundern. Darum dürfen wir zunächst noch nicht die Abfahrt zum Strandbad am Parsteiner See wählen, sondern fahren noch etwa 100 m den Berg der Endmoräne hinauf in Richtung Neuendorf . Auf der rechten Seite der Straße - eingebettet in die - Flur erkennen wir sie. Auch auf dem Wege nach Parstein sollte man, wenn sich Aufschlüsse zeigen (Es wird des öfteren wegen Straßenbau oder zur Verlegung von Leitungen gebaggert) einen Blick in die dort fast überall aufliegende Grundmoräne werfen. Sie beginnt selten tiefer als 0,5 m unter der Erdoberfläche.

Nachdem wir unser Mustersoll ausreichend beobachtet haben, rollen wir den Berg zurück, und gleich weiter links hinunter zum Parsteinsee. Jetzt liegt hoch neben uns die Hügelkette der Endmoräne des Parsteiner Lobus, welche wir schon vor der Einfahrt nach Parstein vor uns haben auftauchen sehen. Mit oder ohne erfrischendem Bade im See geht es dann am Südufer des Sees auf einer Pflasterstraße weiter. Außer den Pflastersteinen ("Katzenköpfe") bereiten uns die vielen Rinnen und Löcher des Weges Schwierigkeiten beim Fahren. Dafür entschädigt uns die Natur: links der prachtvolle Buchenwald auf steilen Hängen, rechts von uns das Sumpfbiotop der Uferzone des Parsteiner Sees. Obwohl diese "Katzenköpfe" auch Zeugen der Eiszeit sind, empfiehlt es sich aus verschiedenen Gründen sie nicht zu sammeln , aber genauer hinzusehen lohnt sich schon. Ebenso interessant sind die Feldsteinwände der Scheunen und alte Gemäuer. Sie bestehen aus kunstvoll gespaltenen Steinen. Steinspalter, ein heute ausgestorbener Beruf, haben kleinere Findlinge mit genau gezielten Hammerschlägen zerlegt. Richtig zielen mußten sie, weil die Steine durch ihre Entstehung vorgegebene Spaltflächen haben. Es war die Kunst der Steinspalter diese Flächen dem Stein anzusehen und den Hammerschlag so zu führen, daß der Stein in die gewünschte Form zerfiel. Da diese Spaltflächen im Vergleich zu den vom Eise bearbeiteten und abgerollten Steinen sehr frisch sind, ist diekristalline Struktur   der Steine daran besser zu beobachten. Wenn wir nun die Katzenkopfstrecke hinter uns gebracht haben und wieder gut asphaltierte Straße befahren , sind es nur einige hundert Meter, bis rechts ein Fahrweg zum Pehlitzwerder abbiegt. Diesen Abstecher sollten wir nicht auslassen obwohl er geologisch nicht sehr gewinnbringend ist. Auf dem Pehlitzwerder -riesige Linden- solche Bäume mit mehreren Meter dicken Stämmen finden wir so schnell nirgendwo anders. Darüber hinaus sind die konservierten Mauerreste des Klosters Marieensee zu besichtigen. Das Kloster ist nie fertig geworden, den Zisterziensermönchen gefiel es offenbar in dieser Gegend nicht. So kam es, daß sie nach Chorin weiterzogen und dort das bekannte Kloster gründeten. Das interessanteste auf dem Pehlitzwerder ist aber das Haus der Natur. Ein mit viel Liebe zur Natur eingerichtetes und geführtes kleines Museum, welches angefangen von der Eiszeit bis heute die Besiedlungsgeschichte dieser Gegend und das Verhältnis Mensch - Natur beschreibt. Auf unserem weiterem Wege fahren wir jetzt durch Pehlitz hindurch, kurz dahinter erheben sich der Große und der Kleine Rummelsberg mit weiteren Ablegern. Hier haben wir Drumlins vor uns. Wenn wir auf den kleinen Rummelsberg stehen, können wir in der Umgebung noch mehr solcher Gebilde sehen, und es ist dann ein vortrefflicher Streit darüber möglich, ob es sich bei diesen oder jenen nun um einen Drumlin, eine Kame oder einen Os handelt. Über diese förderliche Diskussion sollte man aber nicht vergessen auch den wunderbaren Rundblick in die Natur zu genießen. Am Horizont im Süden zeichnet sich der Choriner Endmoränenbogen mit der Endmoräne des Parsteiner Lobus ab. Im Norden zu unseren Füßen liegt der Parsteiner See (Zungenbeckensee des Parsteiner Lobus) im Westen sehen wir den Wesensee . Der Aufstieg zum kleinen Rummelsberg ist befestigt und eine Informationstafel am Fuße des Berges gibt weitere Hinweise. Noch diskutierend besteigen wir dann wieder unsere Fahrräder. Den eifrigsten Streitern geht spätestens dann die Luft aus, wenn es von Brodowin aus, hoch in die Endmoräne geht. Dazu biegen wir gleich nach dem ersten Gehöften eingangs Brodowin scharf links ab. Über das Ökodorf Brodowin haben wir etwas im Haus der Natur auf dem Pehlitzwerder erfahren, und wer jetzt den Bio-Laden aufsuchen möchte, macht an dieser Stelle einen Abstecher. Wir aber fahren weiter, durch die Landenge zwischen Wesen- und Brodowinsee erreichen wir nach etwa 2 km wieder Wald.

Als sich das Eis vor 10 000 Jahren aus unserer Gegend zurückzog, entstanden nun nicht gleich "blühende Landschaften" sondern es herrschte das "Alleröd" wie die Geologen diese Zeit so treffend bezeichnen . Es war eine kalte Tundra an deren Oberfläche der Wind nagte und Sande zu Dünen aufhäufte. Nach der langsamen Ausbreitung von Birke, Hasel und schließlich der Kiefer kamen erst vor 6 000 Jahren die wärmeliebenden Laubbäume in die feuchte Moränenlandschaft. Zuerst Ulme und Linde dann die Eiche und vor 3 000 Jahren erst die Buche. In den Niederungen der Grundmoränenlandschaft wurden diese Wälder zur Gewinnung von Ackerland abgeholzt. In der etwas weniger bequem zu beackernden Endmoränenlandschaft blieben uns diese als Forste erhalten.

So beeindruckend dieser Buchenwald - in den wir jetzt eintreten - mit seinen mächtigen Bäumen auch ist, die Traubeneiche war das Charakteristikum der Kulturlandschaft in der Endmoräne. Die Traubeneichenwälder dienten den Bauern zur Schweinemast (Eicheln) und durch jährliche Beweidung war der Eichenwald mit dem Unterholz im Gleichgewicht. Jetzt wird die Traubeneiche von der Buche bedrängt und tritt mehr und mehr zurück. Durch eine Rückweidung des Unterholzes soll dem entgegengewirkt werden. Ein noch etwas ursprünglicher Eichenwald befindet sich im Naturschutzgebiet "Urwald Breitefenn". Den wir auf unserer Tour am Waldausgang nach Neuendorf an der hohlen Eiche streifen. Bei unserer Fahrt durch den Wald können wir für unsere Gegend auch ganz untypische Bäume finden, so Magnolien und seltene Nadelbäume. Das haben wir offensichtlich der Experimentierfreudigkeit früherer Förster zu verdanken, deren Gedenksteine an einigen Stellen im Wald zu finden sind. Wir versuchen nun das Forsthaus Breitefenn zu erreichen, das gelingt, wenn wir uns an der etwa 1 km im Wald liegenden größeren Kreuzung nordöstlich halten. Am Forsthaus vorbei und 50m südlich den Greinerweg geradeaus 400m gen Westen und wir erreichen die Stelle, an der sich der Stausee des Parsteiner Lobus einen Durchbruch durch die Endmoräne verschafft hat.

An dieser Stelle erwartet uns die schwierige geologische Aufgabe Spuren von dem Durchbruch zu finden. F. B ROSE, der dieses Durchbruchtal  erkundete, fand diese Beweise in den in den Terassensäumen des Abflusses. Jedes Fließgewässer transportiert Steine, oder legt Steine durch Abtransport des Feinmaterials frei. Am Boden von schnell fließenden Bächen und Flüssen finden sich immer Steine. Verläßt nun der Fluß sein Bett zu einem tieferen Abflusse, oder vertieft sich das Bett, oder es fließt weniger Wasser, wird ein Teil des Geröllbodens am Rand des Flusses freigelegt, und bleibt als Nachweis für das ehemalige Flußbett als Terrasse liegen. Wir ersparen uns das Schürfen unter dem Laub, versuchen aber, im Gelände den ehemaligen Abfluß des Schmelzwassers nachzuempfinden.

Nach dieser Übung halten wir uns erst südlich und dann westlich auf Neuendorf zu. Am Ausgang des Waldes gehen wir etwa 30m nach rechts, eine kleine Treppe hinauf und wir stehen vor einem Findling, dem "Großen Stein". Es ist einer der größten Findlinge in Norddeutschland. Er besteht aus schwedischen Granit, und sollte eigentlich zu der Schale verarbeitet werden, die jetzt vor dem alten Museum in Berlin steht. Man sprengte deshalb etwa 2/3 des Findlings ab, die Bohrlöcher in die die Sprengladungen gefüllt wurden, sind noch zu sehen. Das Material erwies sich aber dann als zu weich, und man benutzte den Großen Markgrafenstein aus der Gegend von Fürstenwalde zur Herstellung der Schale. Ein Stück von 6 m Länge und 3,5 m Höhe ist aber noch übrig geblieben. -Kolossal was die Eisgletscher so alles transportieren konnten-. Nach dem oho und aha geht es dann wieder auf "Katzenköpfen" gen Neuendorf zu. An der Wehrkirche sollte man anhalten. An dieser im 13.Jahrhundert aus Feldsteinen gebauten Kirche und einer nahegelegenen Scheune kann man bei Sonnenlicht die Kristalle in den Steinen glitzern sehen und wiederum die Arbeit der Steinschläger aus früheren Zeiten bewundern. Wenn wir nicht einkehren wollen ( Gasthof "Großer Stein" ), fahren wir geradezu über die Straßenkreuzung und den 200m weiter liegenden Bahnschienen in die Lunower Bauernheide. Diese durchqueren wir, und stoßen nach 4 km direkt auf eine Kiesgrube, auf die Hohensaaten-Lunower Kiesgrube der Firma Haniel. Diese Grube baut auf einem Sander und weist eine Besonderheit auf . Neben dem normalen Abbau mit einem Bagger von einer anstehenden Wand, wird auch unter Wasser Kies gefördert. Man hat einen Stichkanal zu der nahe gelegenen Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße gegraben und einen Teil der Kiesgrube geflutet. Auf dem entstandenen See schwimmt ein Eimerkettenbagger der den Kies vom Grunde des "Sees" abbaut. Der Kies wird gesiebt, der Flotation unterzogen, sortiert und von verschiedenen Haufen verkauft. Die Anlagen und die Grube können besichtigt werden. Der Autor ist bisher bei Anfragen zur Besichtigung stets zuvorkommend behandelt worden. Neben den sortierten und gewaschenen Fraktionen des Kieses liegt in der Grube oft große Haufen mit faust- bis kopfgroßen Geröll. Darin kann man Fossilien finden. Zum Abschluß der Exkursion in die Eiszeit, sollte man den Sammlertrieb in uns eine halbe Stunde gewähren lassen, um dem ideellen Ergebnis dieser Tour auch ein materielles, in Form eines Souvenirs aus der Eiszeit hinzuzufügen. An den in Abbau befindliche Wänden der Grube sind verschiedene Schichtenfolgen von Geröll, Kies und Sanden sichtbar. Vor der Kiesgrube sind eine Reihe recht großer Findlinge abgelegt, auch auf unseren nun weiteren Weg auf der Straße nach Lunow bemerken wir noch einige am Waldrand. Einen bemerkenswerten Findling können wir noch in Lunow 500m nach dem Ortseingangsschild, auf der rechten Seite der Straße untersuchen. Ihn durchziehen Trümer (feine Spalten) die weinrote Granate (Almandin) enthalten. Je nach dem Endziel unserer Radwanderung teilen sich die Wege in Lunow. Das Ziel Stolzenhagen ist am besten über den Oderdamm zu erreichen, hier wird zum Schluß am "Nationalpark unteres Odertal geschnuppert. Die "Lüdersdorfer" müssen die Straße zum Steinberg hinauf. Einen solchen Anstieg hatten die "Stolzenhagener" zu Beginn der Tour. Auf dieser doch recht kurzen Tour haben wir bereits alle Landschaftsformen der Glazialen Serie in Brandenburg erlebt, nur das Urstromtal noch nicht. Wenn wir aus Richtung Berlin gekommen sind, mußten wir zwangsläufig durch das Eberswalder Urstromtal, aber durch seine Zersiedlung und seine Breite von etwa 20 Kilometern ist dieses Tal als landschaftliches Relief kaum wahrnehmbar. Etwas zu erahnen ist von diesem Urstromtal an wenn vom Schiffshebewerk Niederfinow der Blick nach Osten gerichtet wird. Im Oberen Teil des Eberswalder Urstromtales dem Randowtal bei Gramzow kann nachempfunden werden wie einstmals die Schmelzwasserströme in diesem breiten Flußtal mäandert sind und es so gleichmäßig flach gespült haben.